Börsenlexikon
Bären sind Anleger oder Marktteilnehmer, die mit fallenden Kursen rechnen und entsprechend auf Kursrückgänge spekulieren oder ihre Positionen absichern.
Der Begriff leitet sich aus der Vorstellung ab, dass ein Bär seine Pranke von oben nach unten schlägt – analog dazu bewegen sich Kurse bei Bären-Positionen nach unten. Im Gegensatz dazu stehen die Bullen (oder Stiere), die mit steigenden Kursen rechnen und von unten nach oben stoßen.
Bären verfolgen verschiedene Strategien. Ein Bär kann eine Aktie leerverkaufen: Er verkauft ein Wertpapier, das er nicht besitzt, in der Hoffnung, es später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn einzustreichen. Alternativ kauft ein Bär Put-Optionen, die ihm das Recht geben, ein Wertpapier zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Fällt der Kurs unter diesen Preis, wird die Option wertvoll. Ein Investor kann auch einfach eine bestehende Position verkaufen oder in Cash-Bestände wechseln, um von erwarteten Rückgängen zu profitieren oder diese zu vermeiden.
Die Bären-Perspektive ist für Privatanleger relevant, weil sie hilft, Portfolios zu schützen. Wer beispielsweise Aktien im Depot hält und kurzfristig mit Kursrückgängen rechnet, kann durch den Kauf von Put-Optionen oder durch Leerverkäufe einen Teil seines Vermögens absichern, ohne die Positionen ganz zu verkaufen. Gleichzeitig ermöglicht die Bären-Strategie Gewinne in fallenden Märkten.
Rechenbeispiel: Ein Anleger kauft eine Put-Option auf eine Aktie, die derzeit bei 100 Euro notiert. Die Option gibt ihm das Recht, die Aktie in 3 Monaten für 95 Euro zu verkaufen. Er zahlt für diese Option 2 Euro pro Aktie (die Prämie). Fällt die Aktie auf 80 Euro, kann er die Option ausüben und die Aktie für 95 Euro verkaufen – obwohl sie am Markt nur 80 Euro kostet. Sein Gewinn beträgt 95 minus 80 minus 2 Euro Prämie = 13 Euro pro Aktie.
Bären-Positionen bergen Risiken. Leerverkäufe können theoretisch unbegrenzte Verluste erzeugen, wenn der Kurs statt zu fallen steigt. Auch Optionsprämien sind verlorenes Geld, wenn die erwartete Kursbewegung ausbleibt. Hinzu kommt: Wer gegen den langfristigen Aufwärtstrend von Märkten spekuliert, muss regelmäßig Timing-Entscheidungen treffen.
Verwandte Begriffe sind der Bullenmarkt, ein längerfristiger Aufwärtstrend, der Bärenmarkt als Gegenpol mit fallenden Kursen, sowie die Volatilität, die das Ausmaß von Kursschwankungen beschreibt und für Bären-Strategien entscheidend ist.

