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Börsenlexikon

Der Tagesendwert ist der Kurs oder Wert eines Wertpapiers oder einer Geldanlage, der am Ende eines Handelstages von der Börse oder dem Emittenten offiziell festgestellt wird.

Der Tagesendwert bildet die Grundlage für die tägliche Bewertung von Positionen im Depot. Er wird in der Regel nach Handelsschluss ermittelt und dient Banken, Brokern und Anlegern als verbindlicher Referenzpreis für diesen Handelstag. Bei Aktien und börsennotierten Fonds entspricht der Tagesendwert dem letzten Kurs, zu dem das Papier gehandelt wurde, bevor die Börse schloss. Bei anderen Produkten wie Investmentfonds oder ETFs wird der Tagesendwert anhand des Nettoinventarwerts (NAV) berechnet, der sich aus dem Gesamtwert aller Fondsvermögen geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Anteile ergibt.

Für Privatanleger hat der Tagesendwert mehrere praktische Bedeutungen. Erstens dient er zur Berechnung des aktuellen Depot- oder Kontostands, der täglich in der Kontoübersicht angezeigt wird. Zweitens ist er entscheidend für die Berechnung von Gewinnen oder Verlusten: Verkauft ein Anleger ein Wertpapier, wird die Differenz zwischen Kaufpreis und Tagesendwert des Verkaufstages als Gewinn oder Verlust realisiert. Drittens bildet der Tagesendwert die Grundlage für die Berechnung von Stückzinsen bei Anleihen und für die Ausschüttungsberechnung bei thesaurierenden Fonds.

Technische Analyse ist eine Methode zur Prognose von Kursbewegungen, die historische Kurse, Handelsvolumina und daraus abgeleitete Indikatoren auswertet, um Kauf- und Verkaufssignale zu identifizieren.

Die technische Analyse basiert auf der Annahme, dass sich Kursbewegungen in Mustern wiederholen und dass vergangene Preisdaten Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen ermöglichen. Analysten untersuchen dabei Chartmuster, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus sowie mathematische Indikatoren wie gleitende Durchschnitte oder Oszillatoren.

Ein zentrales Konzept ist die Identifikation von Trends. Steigt ein Aktienkurs über mehrere Wochen von 50 Euro auf 65 Euro, erkennt ein technischer Analyst einen Aufwärtstrend. Er sucht dann nach Niveaus, auf die der Kurs voraussichtlich zurückfällt, ohne den Trend zu brechen – etwa bei 60 Euro. Unterschreitet der Kurs dieses Unterstützungsniveau, kann dies ein Verkaufssignal sein.

Eine technische Korrektur ist eine kurzfristige Rückwärtsbewegung eines Wertpapierkurses oder eines Marktindex um typischerweise 5 bis 10 Prozent von seinem letzten Höchststand, die durch Gewinnmitnahmen oder vorübergehende Verkaufsdruck entsteht, ohne die übergeordnete Aufwärtsbewegung zu unterbrechen.

Die technische Korrektur unterscheidet sich vom Bärenmärkt oder Crash durch ihre Größenordnung und ihre Funktion innerhalb eines Trends. Während ein Crash einen plötzlichen, dramatischen Kursverfall darstellt, ist eine Korrektur eine geplante oder psychologisch motivierte Gegenbewegung, die Übertreibungen eines Aufwärtstrends abbauen soll. Sie tritt häufig auf, wenn Anleger nach starken Kursgewinnen ihre Positionen teilweise verkaufen, um Gewinne zu realisieren oder Risiken zu reduzieren.

Für Privatanleger ist das Verständnis von technischen Korrektionen wichtig, weil sie damit rechnen müssen, dass Kurse nicht linear steigen. Ein Anleger, der in einen breit gestreuten Aktienfonds 10.000 Euro anlegt und dieser fällt innerhalb weniger Wochen um 7 Prozent auf 9.300 Euro, erleidet einen Papierverlust von 700 Euro. Ob dies eine technische Korrektur oder der Beginn eines längerfristigen Rückgangs ist, lässt sich in der Situation oft nicht mit Sicherheit feststellen. Viele erfahrene Anleger nutzen Korrektionen jedoch als Kaufgelegenheit, wenn sie von den fundamentalen Aussichten der Anlage überzeugt sind.

Teilausführung ist die anteilweise Erfüllung eines Börsenauftrags, bei der die an der Börse verfügbare Menge nicht ausreicht, um den gesamten Order eines Anlegers auszuführen.

Wenn ein Anleger einen Auftrag zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren erteilt, wird dieser nicht immer vollständig auf einmal ausgeführt. Dies geschieht besonders häufig bei Orders mit großem Volumen, bei wenig gehandelten Wertpapieren oder bei Limit-Orders, deren Preisvorgabe nicht sofort erreicht wird.

Wie Teilausführungen entstehen

Termingeschäfte sind Börsengeschäfte, bei denen sich zwei Parteien verpflichten, einen Vermögenswert zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt zu einem heute bereits vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Im Gegensatz zu Kassageschäften, die sofort erfüllt werden, liegt die Erfüllung von Termingeschäften in der Zukunft – typischerweise mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre entfernt. Der Kaufpreis wird bereits heute fixiert, während die tatsächliche Lieferung oder Zahlung erst später stattfindet. Dies ermöglicht es Anlegern, sich gegen zukünftige Preisveränderungen abzusichern oder gezielt auf Kursbewegungen zu spekulieren.

Für Privatanleger sind Termingeschäfte relevant, weil sie Chancen auf Renditen bieten, aber auch erhebliche Risiken bergen. Ein Anleger kann beispielsweise heute einen Aktienindex-Future kaufen, der in 3 Monaten fällig wird. Hat sich der Index bis dahin um 5 Prozent verteuert, erzielt der Anleger einen Gewinn – allerdings wird dieser durch die Hebelwirkung vergrößert. Umgekehrt können Verluste überproportional ausfallen, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Termingeschäfte erfordern daher eine klare Risikoverwaltung und sind nicht für alle Anleger geeignet.

Ein Tick ist die kleinste zulässige Preisveränderung eines Wertpapiers an der Börse, die durch Handelsplatzregeln oder technische Systeme definiert wird.

Die Größe eines Ticks hängt vom Wertpapier und seinem Preisniveau ab. Bei Aktien liegt ein Tick häufig bei 1 Cent. Das bedeutet: Wenn eine Aktie bei 50,00 Euro notiert, kann der nächste Kurs entweder 50,01 Euro oder 49,99 Euro sein – Zwischenwerte wie 50,005 Euro sind nicht zulässig. Bei höherpreisigen Wertpapieren können Ticks größer ausfallen, beispielsweise bei Anleihen oder Rohstoffen oft 0,01 oder sogar 0,05 Prozentpunkte des Nennwerts.

Für Privatanleger ist das Tick-System relevant, weil es die Preisgenauigkeit und damit die Ausführungsqualität von Kauf- und Verkaufsaufträgen beeinflusst. Ein kleinerer Tick ermöglicht präzisere Preise und kann zu besseren Ausführungen führen – der Unterschied zwischen 50,01 und 50,02 Euro summiert sich bei größeren Positionen. Gleichzeitig reduzieren Ticks die Volatilität, da Preise nicht in beliebig kleinen Schritten springen können.

Der Top-down-Ansatz ist eine Anlagestrategie, bei der ein Investor zunächst die gesamtwirtschaftliche Lage und Branchentrends analysiert, bevor er einzelne Unternehmen auswählt.

Die Methode verläuft in drei Schritten: Erstens untersucht der Anleger die makroökonomischen Bedingungen wie Wirtschaftswachstum, Zinsniveaus, Inflation und Arbeitslosenquoten. Zweitens identifiziert er auf dieser Grundlage vielversprechende Branchen und Sektoren. Drittens wählt er innerhalb dieser Sektoren konkrete Unternehmen aus, deren Geschäftsmodelle von den erwarteten Trends profitieren.

Praktisches Beispiel: Ein Investor beobachtet, dass die Zentralbank die Leitzinsen senkt und die Konsumentenausgaben steigen. Diese makroökonomische Analyse deutet auf günstige Bedingungen für den Einzelhandel hin. Der Investor wählt daraufhin den Sektor „Einzelhandel" aus und sucht sich dann spezifische Einzelhandelsketten, deren Geschäftsmodelle und Bilanzen für diese Phase besonders geeignet erscheinen.

Totalverlust ist der vollständige Wertverlust einer Geldanlage, bei dem der Investor sein gesamtes eingesetztes Kapital verliert und keinen Rückfluss erhält.

Ein Totalverlust tritt ein, wenn ein Wertpapier oder eine sonstige Anlage auf den Wert null fällt oder praktisch wertlos wird. Der Anleger kann sein investiertes Geld nicht zurückbekommen. Dies unterscheidet sich von einem Teilverlust, bei dem nur ein Teil des Kapitals verloren geht.

Totalverluste entstehen typischerweise bei Aktien von Unternehmen, die in Insolvenz gehen. Wenn ein Unternehmen Konkurs anmeldet, werden die Aktionäre in der Regel zuerst bedient – das bedeutet, dass sie nach Gläubigern und Anleihegläubigern abgespeist werden und oft nichts erhalten. Ein Investor, der 5.000 Euro in Aktien eines insolventen Unternehmens angelegt hat, kann diesen Betrag vollständig verlieren. Die Aktien werden dann wertlos und lassen sich nicht mehr verkaufen.

Ein Trend an der Börse ist die anhaltende Richtungsbewegung eines Wertpapiers oder Index über einen längeren Zeitraum hinweg, die sich in einer Abfolge von höheren oder tieferen Hochs und Tiefs ausdrückt.

Trends entstehen durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Überwiegt die Kaufbereitschaft, entstehen steigende Kurse (Aufwärtstrend). Überwiegt das Angebot, fallen die Kurse (Abwärtstrend). Ein Seitwärtstrend liegt vor, wenn sich der Kurs in einem definierten Bereich bewegt, ohne eine klare Richtung zu etablieren.

Für Privatanleger ist die Trendbewertung zentral, weil Trends Informationen über Marktsentiment und fundamentale Bedingungen enthalten. Ein stabiler Aufwärtstrend signalisiert oft wirtschaftliches Vertrauen und kann für langfristige Anleger ein Kaufsignal darstellen. Ein Abwärtstrend warnt vor Vorsicht oder kann für spekulative Strategien genutzt werden. Seitwärtstrends deuten auf Unsicherheit hin und können für Range-Trading-Strategien relevant sein.

Ein Trendkanal ist eine Chartformation, die durch zwei parallel verlaufende Trendlinien begrenzt wird und die Schwankungsbreite eines Wertpapiers über einen längeren Zeitraum abbildet.

Der Trendkanal entsteht, wenn ein Kurs in einem bestehenden Aufwärts- oder Abwärtstrend nicht nur eine Trendlinie berührt, sondern regelmäßig zwischen zwei parallelen Linien oszilliert. Die untere Linie verbindet dabei mehrere aufeinanderfolgende Tiefpunkte (Support), die obere Linie mehrere Hochpunkte (Resistance). Diese beiden Linien bilden einen Korridor, innerhalb dessen sich der Kurs bewegt.

Für Privatanleger ist der Trendkanal ein Orientierungsinstrument, um Kauf- und Verkaufszonen zu identifizieren. Wenn ein Kurs die untere Kanallinie erreicht, interpretieren technische Trader dies häufig als Kaufsignal, da hier eine Unterstützung erwartet wird. Umgekehrt kann die obere Kanallinie als Verkaufsgelegenheit dienen. Solange der Kurs im Kanal bleibt, gilt der Trend als intakt. Ein Ausbruch über die obere oder untere Grenze signalisiert dagegen eine Trendverstärkung oder einen Trendwechsel.

Ein Turnaround ist die Umkehr einer negativen Geschäftsentwicklung eines Unternehmens, bei der es nach anhaltenden Verlusten oder sinkenden Umsätzen wieder zu Rentabilität und Wachstum zurückkehrt.

Der Begriff bezeichnet sowohl den Prozess der Sanierung als auch die Phase, in der ein Unternehmen seine Probleme systematisch behebt. Ein Turnaround entsteht typischerweise, wenn ein Unternehmen unter Druck gerät: Marktanteile gehen verloren, Kostenstrukturen sind zu hoch, Produkte sind veraltet oder das Management hat strategische Fehler begangen. Die Geschäftstätigkeit wird dann grundlegend reorganisiert – durch Kosteneinsparungen, Umstrukturierung, Verkauf von Unternehmensteilen, Wechsel der Geschäftsführung oder Neuausrichtung der Produktpalette.

Für Privatanleger ist das Turnaround-Konzept relevant, weil es Chancen und Risiken gleichermaßen birgt. Ein erfolgreiches Turnaround kann zu erheblichen Kurssteigerungen führen: Wenn ein Unternehmen beispielsweise mit Jahresverlusten von 50 Millionen Euro kämpft und durch Restrukturierung wieder zu Gewinnen von 30 Millionen Euro pro Jahr findet, kann dies die Bewertung deutlich verbessern und Investoren anziehen, die vorher gemieden haben. Gleichzeitig ist das Risiko erheblich – viele Turnarounds scheitern, und das Unternehmen gerät in Insolvenz.