Börsenlexikon
Bärenfalle: Eine Bärenfalle ist eine Kursbewegung, bei der der Kurs eines Wertpapiers nach einem anfänglichen Rückgang erneut fällt, nachdem Anleger auf eine Bodenbildung spekuliert haben und daraufhin eingestiegen sind – wodurch diese Käufer Verluste erleiden.
Das Phänomen tritt auf, wenn ein Kurs über mehrere Tage oder Wochen sinkt, dann vorübergehend stabilisiert oder leicht ansteigt. Diese Erholung signalisiert vielen Anlegern das Ende des Abwärtstrends. Sie interpretieren die gestiegenen Kurse als Bestätigung, dass das Tief erreicht ist, und kaufen in der Annahme, dass eine Aufwärtsbewegung bevorsteht. Sobald diese neuen Käufer aktiv werden, wird der Kurs tatsächlich kurzzeitig gestützt. Doch dann folgt ein erneuter, oft heftigerer Kursrückgang. Die Käufer sitzen in der Falle fest: Sie haben zu einem vermeintlich günstigen Preis gekauft, müssen nun aber Verluste hinnehmen, während der Kurs weiter fällt.
Für Privatanleger ist die Bärenfalle deshalb relevant, weil sie zeigt, wie trügerisch kurzfristige Erholungen sein können. Eine Gegenbewegung von 5 bis 10 Prozent nach einem Rückgang wird oft als Trendwende interpretiert, ist aber häufig nur eine technische Gegenbewegung innerhalb eines anhaltenden Abwärtstrends.
Beispiel: Ein Aktienkurs fällt von 100 Euro auf 80 Euro über zwei Wochen. Dann steigt er auf 87 Euro. Anleger erkennen darin einen Kaufsignal und kaufen massiv zu Kursen zwischen 85 und 87 Euro. Doch statt weiter zu steigen, fällt der Kurs in den folgenden Tagen auf 72 Euro. Die Käufer bei 85–87 Euro erleiden nun Verluste von 15 bis 20 Prozent.
Der Grund für die Bärenfalle kann vielfältig sein: Eine vorübergehende Überverkaufung, eine Gewinnmitnahme von Leerverkäufern oder ein positiver Nachrichtensplitter, der nicht nachhaltig wirkt, können solche Gegenbewegungen auslösen, ohne den Grundtrend zu ändern.
Verwandte Konzepte sind die Bullenfalle, bei der ein Kurs nach einem Anstieg erneut fällt und Käufer Verluste erleiden, sowie die technische Analyse, die solche Muster durch Chartmuster und Indikatoren zu identifizieren versucht. Das Verständnis von Trendfolge und Trendbruch hilft Anlegern, zwischen echten Trendwenden und bloßen Gegenbewegungen zu unterscheiden.

