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Börsenlexikon

Eine bärische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs eines Wertpapiers auf ein neues Hoch ansteigt, während ein technischer Indikator (etwa der Relative Strength Index oder die MACD) diesen Anstieg nicht bestätigt und stattdessen ein tieferes Hoch ausbildet.

Das Phänomen signalisiert eine Schwächung der Aufwärtsbewegung. Während der Kurs oberflächlich betrachtet noch stärker wird, zeigt der Indikator, dass der zugrunde liegende Momentum nachlässt. Dies deutet häufig darauf hin, dass die Käufer an Kraft verlieren und eine Umkehr der Kursbewegung bevorstehen könnte.

Praktisches Beispiel: Ein Aktienkurs steigt von 80 Euro auf 100 Euro, dann fällt er auf 90 Euro und klettert anschließend auf 105 Euro. Das ist ein neues Hoch. Der RSI (ein Momentum-Indikator zwischen 0 und 100) war beim ersten Hoch bei 100 Euro allerdings bei 72 Punkte. Beim zweiten Hoch bei 105 Euro erreicht der RSI nur noch 68 Punkte. Trotz höherer Kurse signalisiert der RSI schwächeres Momentum – das ist die Divergenz. Sie deutet an, dass die Aufwärtsbewegung an Überzeugungskraft verliert.

Für Privatanleger ist die bärische Divergenz ein Warnsignal im Rahmen der Technischen Analyse. Sie wird häufig als Hinweis auf einen potenziellen Trendwechsel interpretiert, kann aber kein eigenständiges Verkaufssignal sein. Zuverlässigkeit entsteht erst durch die Kombination mit anderen Analyseverfahren – etwa durch Unterstützungs- und Widerstandsniveaus oder Chartmuster. Falsche Signale sind möglich, weshalb erfahrene Anleger die Divergenz als einen Baustein unter mehreren betrachten, nicht als sichere Vorhersage.

Verwandte Konzepte sind die bullische Divergenz (Kurs fällt, Indikator steigt), die das Gegenteil anzeigt, sowie der Relative Strength Index selbst, einer der am häufigsten genutzten Indikatoren zur Identifikation von Divergenzen. Auch die MACD-Divergenz funktioniert nach demselben Prinzip, nutzt aber eine andere Berechnungsmethode. Die Technische Analyse insgesamt bildet den Rahmen, in dem Divergenzen Sinn machen und interpretiert werden.