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Börsenlexikon

Der Beleihungswert ist der Prozentsatz oder Betrag des Marktwertes eines Wertpapiers, den eine Bank als Sicherheit für einen Kredit akzeptiert und bis zu dem sie Geld gegen Verpfändung dieses Wertpapiers auszahlt.

Funktionsweise

Der Beleihungswert liegt regelmäßig unter dem aktuellen Marktpreis des Wertpapiers. Diese Differenz dient der Bank als Sicherheitspuffer gegen Kursverluste. Wird ein Anleger beispielsweise einen Kredit mit Wertpapieren als Sicherheit auf, legt die Bank fest, wie viel Prozent des Wertes dieser Papiere sie als Kreditsicherheit anerkennt.

Praktisches Beispiel: Ein Anleger besitzt 100 Anteile eines Fonds mit aktuellem Kurs von 50 Euro pro Anteil, insgesamt also 5.000 Euro Marktwert. Hat die Bank einen Beleihungswert von 70 Prozent festgelegt, kann der Anleger maximal einen Kredit in Höhe von 3.500 Euro aufnehmen. Die restlichen 1.500 Euro Marktwert fungieren als Sicherheitsabschlag.

Relevanz für Privatanleger

Der Beleihungswert ist zentral beim Wertpapierkredit oder der Wertpapierkreditlinie, da er die maximale Kreditfähigkeit bestimmt. Bei unterschiedlichen Wertpapiertypen gelten unterschiedliche Beleihungswerte: Staatsanleihen erhalten oft höhere Quoten (etwa 80–90 Prozent), während Aktien niedriger bewertet werden (oft 50–70 Prozent), da sie volatiler sind.

Steigt der Kurs der verpfändeten Wertpapiere, erhöht sich die verfügbare Kreditlinie; fällt der Kurs deutlich, kann es zu einer Nachschussforderung kommen. Unterschreitet der Marktwert die Sicherheitsanforderung, verlangt die Bank zusätzliche Sicherheiten oder Rückzahlung von Kreditanteilen (Margin Call).

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Der Beleihungswert unterscheidet sich vom reinen Marktwert: Dieser ist der aktuelle Börsenkurs, während der Beleihungswert eine konservativere, von der Bank definierte Größe ist. Eng verwandt ist das Konzept der Loan-to-Value-Quote (LTV), die das Verhältnis des Kreditbetrags zum Beleihungswert ausdrückt. Auch die Beleihungsgrenze, also der absolute Betrag, bis zu dem Kredite gewährt werden, hängt direkt vom Beleihungswert ab. Im Risikomanagement spielen Beleihungswerte eine Rolle bei der Berechnung von Sicherheitsabschlägen und Haircuts, die das Ausfallrisiko reduzieren sollen.

Anleger sollten die Beleihungswerte ihrer Bank kennen, wenn sie Kredite gegen Wertpapiere planen, um realistische Erwartungen an verfügbare Liquidität zu haben.