Börsenlexikon
Bonität ist die Fähigkeit und Bereitschaft eines Schuldners, seine finanziellen Verpflichtungen pünktlich und vollständig zu erfüllen.
Die Bonität wird von Kreditgebern und Investoren bewertet, um das Ausfallrisiko eines Darlehens oder einer Anleihe einzuschätzen. Sie basiert auf der Analyse der wirtschaftlichen Situation, der bisherigen Zahlungshistorie und der verfügbaren Sicherheiten eines Schuldners — ob dieser ein Unternehmen, ein Staat oder eine Privatperson ist.
Für Privatanleger ist die Bonität zentral, wenn sie in Anleihen investieren. Eine Anleihe mit hoher Bonität verspricht höhere Rückzahlungssicherheit, wird aber mit niedrigeren Zinsen verzinst. Eine Anleihe mit niedriger Bonität bietet höhere Renditen, trägt aber ein erhebliches Ausfallrisiko. Ein Anleger muss daher abwägen, ob die zusätzliche Rendite das erhöhte Risiko kompensiert.
Die Bonität wird durch Ratingagenturen wie Standard & Poor's, Moody's oder Fitch in Notensystemen ausgedrückt. Ratings reichen von „AAA" oder „Aaa" (höchste Kreditwürdigkeit) bis zu „C" oder „D" (sehr hohes Ausfallrisiko). Anleihen mit Rating „BBB" oder besser gelten als „Investment Grade", darunter liegende als spekulativ („High Yield" oder „Junk Bonds").
Ein konkretes Beispiel: Ein Anleger erwägt zwei Unternehmensanleihen mit 10.000 Euro Nennwert. Die erste Anleihe eines großen, stabilen Unternehmens mit AAA-Rating wird mit 2,5 Prozent Kupon angeboten. Die zweite eines kleineren Unternehmens mit BB-Rating wird mit 6,5 Prozent Kupon angeboten. Die höhere Rendite der zweiten Anleihe reflektiert das höhere Ausfallrisiko aufgrund geringerer Bonität.
Die Bonität eines Unternehmens hängt von Faktoren wie Profitabilität, Verschuldungsgrad, Cashflow und Branchenposition ab. Bei Staaten spielen Faktoren wie Steuereinnahmen, Staatsschuldenquote und politische Stabilität eine Rolle.
Eng verwandt mit der Bonität sind das Rating als formale Bewertung durch Agenturen, die Kreditspread als Renditedifferenz zwischen riskanten und sicheren Anleihen, und das Ausfallrisiko als Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Privatanleger sollten die Bonität von Emittenten vor dem Kauf von Anleihen oder Unternehmensanleihen prüfen, um ihr Risiko bewusst zu steuern.

