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Börsenlexikon

Brady Bonds sind Staatsanleihen von Schwellenländern, die in den 1980er Jahren durch einen Schuldentausch entstanden, bei dem alte Bankenkredite gegen neue, börsengehandelte Anleihen mit teilweiser Rückzahlungsgarantie ausgetauscht wurden.

Das Konzept entstand aus der Schuldenkrise der 1980er Jahre, als viele Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Auslandskredite nicht bedienen konnten. Der US-amerikanische Finanzminister Nicholas Brady initiierte einen Umstrukturierungsplan: Gläubigerbanken tauschten ihre ausstehenden Kredite gegen neue, börsengehandelte Anleihen ein. Diese Brady Bonds waren mit US-amerikanischen Staatsanleihen oder anderen sicheren Wertpapieren (sogenannte Collaterals) teilweise besichert, was das Ausfallrisiko senkte und die Anleihen verkäuflich machte.

Für Privatanleger sind Brady Bonds relevant, weil sie eine historisch bedeutsame Anlageklasse mit spezifischen Risiko- und Ertragseigenschaften darstellen. Sie bieten typischerweise höhere Renditen als Staatsanleihen entwickelter Länder, da sie das Länderrisiko des Emittenten tragen. Ein Beispiel: Eine Brady Bond mit 10.000 Euro Nennwert und 6 Prozent jährlicher Verzinsung zahlt 600 Euro jährlich. Kauft ein Anleger diese Anleihe zu 95 Prozent des Nennwerts (9.500 Euro), liegt die Rendite über 6 Prozent, da zusätzlich ein Kursgewinn winkt.

Die Besicherung durch hochwertige Vermögenswerte reduziert das Totalausfallrisiko, schützt aber nicht vor Währungsrisiken oder politischen Veränderungen im Emitterland. Brady Bonds werden heute primär am Sekundärmarkt gehandelt und sind in Schwellenländer-Rentenfonds oder speziellen Anleihen-ETFs enthalten.

Ein wesentlicher Unterschied besteht zu klassischen Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen, die ohne Besicherung emittiert werden. Brady Bonds ähneln in ihrer Struktur auch Distressed Debt, also Anleihen von Schuldnern in Finanzierungsschwierigkeiten. Zudem teilen sie mit Emerging-Market-Bonds das Merkmal, dass sie von Ländern mit erhöhtem Kreditrisiko stammen, bieten aber durch die historische Besicherung eine zusätzliche Sicherheitsebene.

Heute spielen Brady Bonds eine kleinere Rolle als in den 1990er Jahren, da viele Schwellenländer ihre Schuldenstruktur verbessert haben. Für spezialisierte Anleger und Fonds mit Fokus auf Schwellenländer-Anleihen bleiben sie jedoch ein etabliertes Segment mit eigenständiger Renditecharakteristik.