Börsenlexikon
EURIBOR ist der täglich von einer Gruppe europäischer Banken ermittelte Referenzzinssatz für kurzfristige Geldmarktleihen zwischen Banken in Euro.
Der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) wird an jedem Geschäftstag von einer Gruppe großer europäischer Banken festgelegt und veröffentlicht. Diese Banken melden täglich, zu welchen Zinssätzen sie untereinander Geld verleihen würden – für verschiedene Laufzeiten von einer Woche bis zu zwölf Monaten. Aus diesen Meldungen wird ein Durchschnittswert berechnet, der als Referenzzinssatz dient.
Für Privatanleger ist der EURIBOR relevant, weil er als Basis für zahlreiche Kreditprodukte verwendet wird. Viele Hypotheken, Konsumentenkredite und Sparzinsen sind an einen EURIBOR-Satz gekoppelt. Ein Kreditvertrag kann beispielsweise festlegen, dass der Zinssatz „EURIBOR 12 Monate plus 2,5 Prozentpunkte" beträgt. Steigt der EURIBOR, erhöht sich damit auch der Kreditzins; sinkt der EURIBOR, kann der Zinssatz fallen.
Ein praktisches Beispiel: Ein Kreditnehmer hat einen Immobilienkredit mit einer Laufzeit von 5 Jahren zu „EURIBOR 12 Monate plus 2,5 Prozentpunkte" abgeschlossen. Der EURIBOR 12 Monate liegt aktuell bei 3,5 Prozent. Der Kreditzins beträgt dann 6,0 Prozent (3,5 + 2,5). Steigt der EURIBOR auf 4,0 Prozent, erhöht sich der Kreditzins auf 6,5 Prozent. Die Spanne von 2,5 Prozentpunkten bleibt während der gesamten Laufzeit unverändert – sie wird vom Kreditgeber festgelegt und berücksichtigt dessen Risikobewertung.
Der EURIBOR unterscheidet sich vom EONIA (European Overnight Index Average), der den Zinssatz für Übernacht-Kredite darstellt, und vom LIBOR, der das Äquivalent für Pfund Sterling und andere Währungen ist. Auch die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank beeinflussen das Niveau des EURIBOR, dienen aber einem anderen Zweck: Sie sind das geldpolitische Steuerungsinstrument der EZB.
Der EURIBOR wird von der EMMI (European Money Markets Institute) verwaltet und unterliegt strengen Regulierungen zur Sicherung der Zuverlässigkeit. Privatanleger sollten bei Krediten mit variablem Zinssatz verstehen, dass ihre Kreditkosten mit Bewegungen des EURIBOR steigen oder fallen können – dies macht die Planung längerfristiger Kreditverpflichtungen weniger planbar als bei Festzinsen.

