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Börsenlexikon

Die Hedge-Ratio ist der Anteil einer Anlage, der durch ein Absicherungsinstrument abgedeckt werden soll, um das Risiko einer Gegenposition zu reduzieren.

Die Hedge-Ratio drückt aus, wie viel Prozent oder welcher Multiplikator eines Portfolios oder einer Position durch Derivate, Leerverkäufe oder andere Absicherungsinstrumente geschützt werden soll. Sie beantwortet die praktische Frage: Wenn ein Anleger 100.000 Euro in Aktien hält und das Kursrisiko begrenzen möchte, wie viele Futures oder Put-Optionen muss er kaufen, um diesen Bestand angemessen abzusichern?

Die Ratio wird typischerweise als Dezimalzahl oder Prozentsatz ausgedrückt. Eine Hedge-Ratio von 1,0 (oder 100 Prozent) bedeutet, dass die Absicherung den vollen Wert der Position abdeckt. Eine Ratio von 0,5 (oder 50 Prozent) bedeutet, dass nur die Hälfte des Risikos hedgt wird. Eine Ratio über 1,0 (etwa 1,2) bedeutet, dass die Absicherung die Grundposition übersteigt – der Anleger spekuliert also teilweise auf Kursrückgänge.

Rechenbeispiel:

Ein Privatanleger hält 50.000 Euro in einem breit gestreuten Aktienportfolio. Er möchte sein Kursrisiko für die nächsten drei Monate begrenzen, ohne die Aktien zu verkaufen. Ein DAX-Future kostet aktuell 18.000 Euro pro Kontrakt. Der Anleger entscheidet sich für eine Hedge-Ratio von 0,5, um nur das halbe Risiko abzusichern.

Rechnung: 50.000 Euro × 0,5 ÷ 18.000 Euro = 1,39, abgerundet also 1 Future-Kontrakt.

Durch den Verkauf von 1 Future-Kontrakt sichert der Anleger etwa 18.000 Euro seines 50.000-Euro-Portfolios ab. Sinkt der Markt um 10 Prozent, verliert das Portfolio 5.000 Euro, gewinnt aber durch den Future etwa 1.800 Euro – der Nettoverlust wird damit reduziert.

Die Wahl der Hedge-Ratio hängt von der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und den Kosten ab. Vollständige Absicherung (Ratio 1,0) schützt vor Verlusten, kostet aber durch Prämien oder Gebühren und begrenzt Gewinne. Teilabsicherung (Ratio unter 1,0) ist günstiger, lässt aber Restrisiko bestehen.

Eng verwandte Konzepte sind das Beta, das misst, wie stark eine Aktie oder ein Portfolio gegenüber dem Markt schwankt – eine hohe Beta erfordert eine höhere Hedge-Ratio zur gleichen Schutzwirkung. Die Duration ist bei Anleihenportfolios das Äquivalent, um Zinsrisiken zu quantifizieren. Value-at-Risk (VaR) hilft dabei, das Absicherungsziel überhaupt erst zu definieren.