Börsenlexikon
Ein horizontaler Spread ist eine Optionsstrategie, bei der der Anleger gleichzeitig eine Option mit kürzerem Verfallsdatum verkauft und eine Option mit längerem Verfallsdatum desselben Typs und des gleichen Basispreises kauft.
Die Strategie funktioniert wie folgt: Der Trader kauft beispielsweise eine Call-Option, die in drei Monaten verfällt, und verkauft gleichzeitig eine Call-Option auf denselben Basiswert mit identischem Ausübungspreis, die jedoch bereits in einem Monat verfällt. Weil die näher liegende Option schneller an Zeitwert verliert als die fernere, profitiert der Anleger vom unterschiedlichen Zeitwertverfall beider Positionen.
Die Relevanz für Privatanleger liegt darin, dass diese Strategie bei stabilen Markterwartungen einsetzbar ist. Wenn ein Anleger davon ausgeht, dass der Kurs eines Basiswerts in den nächsten Wochen seitwärts läuft, kann ein horizontaler Spread Gewinne aus dem Zeitwertverfall generieren, ohne auf starke Kursbewegungen zu spekulieren. Die gekaufte Option mit längerer Laufzeit dient als Absicherung: Falls sich der Kurs stärker bewegt als erwartet, behält der Anleger durch diese Position Gewinnpotenzial.
Rechenbeispiel: Ein Anleger kauft eine Call-Option auf eine Aktie mit Ausübungspreis 100 Euro und dreimonatiger Laufzeit für eine Prämie von 5 Euro. Gleichzeitig verkauft er eine Call-Option auf dieselbe Aktie mit gleichem Ausübungspreis von 100 Euro, aber einmonatiger Laufzeit für eine Prämie von 3 Euro. Die Nettoauszahlung beträgt 2 Euro. Nach einem Monat ist die verkaufte Option verfallen. Wenn die Aktie bei 100 Euro steht, hat die verkaufte Option keinen Wert mehr, während die gekaufte Option noch zwei Monate Laufzeit hat und noch Zeitwert besitzt. Der Anleger kann dann die Position glattstellen oder erneut eine kurzfristige Option verkaufen.
Die Strategie unterliegt Risiken: Bewegt sich der Kurs stark aus dem erwarteten Bereich heraus, können Verluste entstehen. Zudem erfordert sie aktives Management, da die kurzfristige Position regelmäßig neu aufgelegt werden muss.
Verwandte Konzepte sind der vertikale Spread, bei dem Optionen mit unterschiedlichen Ausübungspreisen kombiniert werden, der Kalender-Spread als allgemeinere Bezeichnung für zeitbasierte Strategien, und die Straddle-Strategie, die auf größere Volatilität setzt.

