Börsenlexikon
Die Nachbörse ist der Handel mit Wertpapieren außerhalb der regulären Handelszeiten der Börse, in dem Privatanleger und institutionelle Investoren auch nach dem offiziellen Börsenschluss Kauf- und Verkaufsaufträge ausführen können.
In Deutschland endet der Xetra-Handel um 17:30 Uhr ohne Nachhandel; die Börse Frankfurt sowie außerbörsliche Handelsplätze ermöglichen dagegen Handel bis 22:00 Uhr. Während dieser Zeit können Anleger weiterhin Aktien, Fonds und andere Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Der Handel findet dabei über spezialisierte Handelsplätze statt, häufig mit Designated Sponsoren, die als Liquiditätsanbieter fungieren.
Die Nachbörse entstand, um Anlegern mehr Flexibilität zu bieten. Viele Privatanleger können während der regulären Handelszeiten von 9:00 bis 17:30 Uhr nicht ständig am Markt aktiv sein. Zudem ermöglicht der Nachhandel es, auf Nachrichten zu reagieren, die nach Börsenschluss veröffentlicht werden – etwa Quartalsergebnisse oder Pressemitteilungen von Unternehmen.
Es gibt jedoch wichtige Unterschiede zum regulären Handel. Die Liquidität in der Nachbörse ist deutlich geringer: Das Handelsvolumen ist kleiner, die Geld-Brief-Spannen (also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) sind häufig breiter, und einzelne Transaktionen können den Kurs stärker beeinflussen. Ein Investor, der 500 Aktien eines Unternehmens in der Nachbörse verkaufen möchte, könnte auf weniger Käufer treffen als während der Haupthandelszeit, was zu ungünstigeren Kursen führen kann.
Ein Beispiel: Ein Anleger möchte 100 Aktien eines Unternehmens nach 18:00 Uhr verkaufen. Der Schlusskurs im regulären Handel betrug 50 Euro je Aktie. In der Nachbörse liegt die Geld-Brief-Spanne jedoch bei 49,80 Euro (Geldkurs) und 50,40 Euro (Briefkurs). Der Verkauf erfolgt zum niedrigeren Geldkurs von 49,80 Euro, was einem Nachteil von 0,4 Prozent gegenüber dem Schlusskurs entspricht.
Privatanleger sollten beachten, dass die Nachbörse nicht alle Wertpapiere anbietet und dass Aufträge dort nicht garantiert ausgeführt werden, wenn die Liquidität zu gering ist. Für größere Positionen empfiehlt sich daher der Handel während der regulären Handelszeiten. Die Nachbörse ist eng mit dem Begriff des Prähandels (Eröffnungsauktion vor 9:00 Uhr) verbunden und unterscheidet sich vom außerbörslichen Direkthandel mit Banken, bei dem völlig andere Regeln gelten. Auch der Begriff der Liquidität spielt eine zentrale Rolle beim Verständnis der Nachbörse.

