Börsenlexikon
„Sicher investieren" ist eine Anlagestrategie, die das Risiko von Kapitalverlust durch Konzentration auf Wertpapiere mit geringer Volatilität und hoher Rückzahlungssicherheit minimiert.
Die Strategie verfolgt das Ziel, das eingesetzte Kapital vor erheblichen Wertschwankungen zu bewahren. Anleger, die sicher investieren möchten, verzichten typischerweise auf hohe Renditeerwartungen zugunsten von Stabilität und Planbarkeit. Dies geschieht durch die Auswahl von Wertpapieren, deren Kursbewegungen begrenzt sind und deren Emittenten eine hohe Bonität aufweisen.
Zu den klassischen Instrumenten zählen Staatsanleihen von Ländern mit erstklassiger Kreditwürdigkeit, Unternehmensanleihen von etablierten Konzernen sowie Sparbriefe und Tagesgeldkonten. Ein Privatanleger könnte etwa 10.000 Euro in eine Bundesanleihe mit 3 Jahren Laufzeit und 2,5 Prozent jährlicher Verzinsung anlegen. Die Rückzahlung ist durch die Bonität des Staates abgesichert, der Kurs schwankt weniger als bei riskanteren Wertpapieren, und die Rendite ist von Anfang an bekannt.
Die Relevanz dieser Strategie ergibt sich aus mehreren Faktoren. Erstens ermöglicht sie Anlegern mit niedriger Risikotoleranz – etwa Rentner oder Personen mit kurzfristigem Anlagehorizont – überhaupt Kapitalanlage. Zweitens dient sie als Stabilisator in einem diversifizierten Portfolio: Wertpapiere mit niedriger Volatilität puffern Kursverluste bei riskanteren Positionen ab. Drittens bietet sie Planungssicherheit, da die erwarteten Erträge oft schon bei Kauf feststehen.
Allerdings hat sichere Geldanlage auch Grenzen. In Phasen niedriger Zinsen fallen die Erträge gering aus, und die Kaufkraft des Kapitals kann durch Inflation erodiert werden – ein Phänomen, das als Realrendite relevant wird. Zudem ist auch bei sicheren Wertpapieren das Emittentenrisiko nicht völlig auszuschließen, etwa wenn die Bonität eines Staates oder Unternehmens sinkt.
Eine vollständig sichere Geldanlage existiert nicht. Selbst Bankguthaben unterliegen dem Insolvenzrisiko der Bank, weshalb Einlagensicherungssysteme gelten. Anleger müssen daher zwischen verschiedenen Risikotypen abwägen – etwa zwischen Zinsrisiko bei Anleihen und Inflationsrisiko bei Sparkonten.
Verwandte Konzepte sind Diversifikation, die Streuung auf verschiedene Wertpapiere und Assetklassen zur Risikominderung, sowie Bonität, die Kreditwürdigkeit eines Emittenten, die dessen Rückzahlungsfähigkeit bestimmt. Auch das Konzept der Asset Allocation – die strategische Aufteilung des Vermögens nach Risikoprofil – steht in direktem Zusammenhang mit sicherer Geldanlage.

