Börsenlexikon
Spekulieren auf fallende Kurse ist die Wette darauf, dass der Preis eines Wertpapiers oder eines anderen Vermögenswertes sinken wird, um ihn später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen oder zu decken als dem Verkaufspreis.
Bei dieser Strategie verkauft der Anleger ein Wertpapier, das er nicht besitzt. Dies funktioniert durch einen sogenannten Leerverkauf: Der Anleger leiht sich das Wertpapier von einem Broker oder einem anderen Marktteilnehmer, verkauft es sofort zum aktuellen Marktpreis und hofft, dass der Kurs fällt. Sinkt der Preis tatsächlich, kauft der Anleger das Wertpapier später zu diesem niedrigeren Preis zurück und gibt es dem Verleiher zurück. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis ist sein Gewinn – abzüglich Gebühren und Leihkosten.
Rechenbeispiel: Ein Anleger verkauft per Leerverkauf 100 Aktien einer Gesellschaft zum aktuellen Kurs von 50 Euro je Aktie. Der Verkaufserlös beträgt 5.000 Euro. Der Kurs fällt daraufhin auf 30 Euro. Der Anleger kauft die 100 Aktien für 3.000 Euro zurück und gibt sie dem Verleiher zurück. Sein Gewinn liegt bei 2.000 Euro, bevor Gebühren und Leihkosten abgezogen werden. Steigt der Kurs hingegen auf 70 Euro, entstehen Verluste von 2.000 Euro.
Für Privatanleger ist diese Strategie mit erheblichen Risiken verbunden. Das Verlustpotenzial ist theoretisch unbegrenzt, da der Kurs eines Wertpapiers unbegrenzt steigen kann. Gleichzeitig entstehen Kosten für das Leihen des Wertpapiers und Gebühren des Brokers. Viele Broker schränken Leerverkäufe für Privatanleger stark ein oder verbieten sie ganz. Regulatorische Beschränkungen und Marktsituationen können Leerverkäufe zeitweise unmöglich machen.
Verwandte Konzepte sind der Put-Option, mit der ein Anleger das Recht erwirbt, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen, sowie das Short-Selling, das Leerverkäufe allgemein beschreibt. Der Margin-Handel ermöglicht es Anlegern, Positionen mit Fremdkapital zu finanzieren, was Leerverkäufe erst praktisch umsetzbar macht.

