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Börsenlexikon

Die Zentralbank ist die nationale oder übernationale Notenbank eines Währungsraums, die für die Geldpolitik, die Stabilität des Finanzsystems und die Ausgabe von Banknoten zuständig ist.

Die Zentralbank nimmt eine Sonderstellung im Finanzsystem ein. Sie ist keine gewöhnliche Bank für Privatanleger, sondern arbeitet primär mit Geschäftsbanken, dem Staat und internationalen Institutionen zusammen. Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert die Geldmenge im Euroraum, während die Federal Reserve (Fed) in den USA und die Bank of England ihre jeweiligen Währungsräume regulieren.

Die wichtigsten Funktionen für Privatanleger sind die Festlegung des Leitzinses und die Kontrolle der Geldmenge. Der Leitzins beeinflusst direkt, zu welchen Konditionen Geschäftsbanken sich bei der Zentralbank Geld leihen können. Sinkt der Leitzins, werden Kredite für Privatanleger günstiger, Sparquoten fallen. Steigt er, verteuern sich Immobilienkredite und Konsumentenkredite, während Sparzinsen anziehen. Ein Beispiel: Liegt der Leitzins bei 0,5 Prozent, können Geschäftsbanken sich Geld zu diesem Satz beschaffen und geben es mit Aufschlag an Kunden weiter. Bei einem Leitzins von 4 Prozent werden auch die Hypothekenzinsen deutlich höher.

Zentralbanken reagieren auf Inflation oder Rezessionsrisiken. Bei hoher Inflation erhöhen sie den Leitzins, um die Nachfrage zu bremsen. Bei wirtschaftlichen Schwächephasen senken sie ihn, um Kredite zu verbilligen und Investitionen anzureizen.

Für Anleger ist die Zentralbankpolitik entscheidend für die Bewertung von Anleihen, Aktien und Immobilien. Steigende Leitzinsen machen festverzinsliche Wertpapiere attraktiver, können aber Aktienkurse unter Druck setzen. Fallende Zinsen begünstigen oft Aktien und Immobilien, belasten aber Sparer.

Zentralbanken kommunizieren ihre Absichten regelmäßig durch Pressekonferenzen und Reden ihrer Vorstände. Diese Aussagen beeinflussen die Markterwartungen oft stärker als die tatsächlichen Zinsschritte selbst – ein Phänomen, das unter dem Begriff Forward Guidance bekannt ist.

Eng verwandte Begriffe sind der Leitzins als das wichtigste Steuerinstrument, die Geldpolitik als Gesamtstrategie zur Kontrolle der Geldmenge und die Repo-Geschäfte, über die Zentralbanken kurzfristig Liquidität in das Finanzsystem pumpen.